Hinter den Kulissen: So entsteht ein exzellentes Konferenzprogramm

So entsteht das “perfekte” Konferenz-Programm - Elmar Jürgens

So entsteht das “perfekte” Konferenz-Programm - Elmar Jürgens

3. März 2026 · Software Testing & Qualität - Testautomatisierung, KI & Agilität

Was macht ein Konferenzprogramm wirklich exzellent? Diese Frage steht im Zentrum einer neuen Episode des Podcasts Software Testing & Qualität. Host Richard Seidl taucht gemeinsam mit seinem Gast, Dr. Elmar Jürgens, tief in die Welt der Konferenzorganisation ein. Elmar ist in diesem Jahr Program Chair der EuroStar, einer der größten internationalen Konferenzen für Softwaretesting, und gewährt seltene Einblicke hinter die Kulissen. Die beiden, selbst erfahrene Sprecher und Mitglieder in Programmkomitees, beleuchten den anspruchsvollen Prozess, aus hunderten Einreichungen ein erstklassiges Programm zu formen. Diese Episode ist damit nicht nur eine spannende Analyse für Konferenzbesucher, sondern auch ein unverzichtbarer Leitfaden für alle, die selbst einmal auf der großen Bühne stehen möchten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Extrem hohe Qualitätsstandards: Die EuroStar-Konferenz hat eine Akzeptanzrate von unter 10 %. Aus über 500 validen Einreichungen wurden nur rund 50 Vorträge für das Programm ausgewählt, was den enormen Wettbewerb und die hohe Qualität unterstreicht.
  • Authentizität schlägt KI: Einreichungen, die auf echten, persönlichen Erfahrungen basieren, sind klar im Vorteil. Elmar betont, dass KI-generierte Abstracts oft oberflächlich sind und die einzigartige Perspektive des Sprechers vermissen lassen. Eigene Erfolge, aber auch Misserfolge, machen einen Vortrag authentisch und wertvoll.
  • Vielfalt im Komitee für ein ausgewogenes Programm: Ein bewusst divers zusammengestelltes Programmkomitee, wie Elmar es für die EuroStar berufen hat, sorgt dafür, dass Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln bewertet werden. Dies führt zu einem reichhaltigeren und ausgewogeneren Programm.
  • Das Motto als Leitstern: Unter dem Motto Testing at its best suchte das Komitee nicht nur nach Vorträgen über neue Methoden, sondern vor allem nach Beiträgen, die kritisch hinterfragen, woran wir die Qualität und Effektivität unserer Arbeit überhaupt messen.
  • Wertschätzung durch Feedback: Obwohl es ein immenser Aufwand ist, legt Elmar Wert darauf, abgelehnten Sprecher:innen konstruktives Feedback zu geben. Dieser Prozess hilft der gesamten Community, zu wachsen und die Qualität zukünftiger Einreichungen zu steigern.

Hinter den Kulissen der EuroStar: Ein Einblick in den Auswahlprozess

Die Zusammenstellung des Programms für eine Konferenz wie die EuroStar ist ein Marathon, kein Sprint. Als Program Chair war es Elmars erste Aufgabe, ein Programmkomitee zusammenzustellen - und er entschied sich bewusst für eine Gruppe mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen, zu der auch Host Richard gehört. Diese Vielfalt war der Schlüssel für die anschließenden Diskussionen, in denen oft um Nuancen gerungen wurde, um die besten Vorträge auszuwählen.

Der Prozess begann mit einer beeindruckenden Zahl: 527 gültige Einreichungen gingen für die rund 50 verfügbaren Plätze ein. Um diese Flut zu bewältigen, wurde jede Einreichung von mindestens drei Personen bewertet - Mitgliedern des Programmkomitees sowie einem größeren Pool von ehrenamtlichen Reviewern aus der Community. Richard beschreibt die finale Auswahl als extrem schwierig, da die Qualität so hoch war, dass man problemlos eine weitere Konferenzwoche hätte füllen können. Eine besondere Regel der EuroStar sorgt dabei für maximale Unbefangenheit: Weder die Mitglieder des Programmkomitees noch Mitarbeiter ihrer Unternehmen dürfen als Sprecher auftreten. Das stellt sicher, dass sich das Komitee voll und ganz auf die Zusammenstellung des bestmöglichen Programms für die Teilnehmer konzentrieren kann.

Qualität als Motto: Testing at its best

Um dem Auswahlprozess einen klaren Fokus zu geben, stellte Elmar die diesjährige EuroStar unter das Motto Testing at its best. Doch was bedeutet das konkret? Es geht nicht nur darum, die besten Testmethoden für Bereiche wie Testautomatisierung, API-Tests oder Exploratory Testing vorzustellen. Der Kern des Mottos liegt, so Elmar, eine Ebene tiefer: Es geht um die Frage, woran wir überhaupt festmachen, dass ein Ansatz der beste ist. Welche Metriken, Analysetechniken und Daten belegen, dass unsere Qualitätssicherung wirklich effektiv ist? Dieses Motto ermutigte Einreicher, nicht nur über ihre Erfolge zu berichten, sondern auch darüber, wie sie diese gemessen und validiert haben. Es ist ein Aufruf zu mehr Evidenz und kritischer Reflexion in der Qualitätssicherung.

Die Herausforderung mit KI-generierten Einreichungen

Ein brandaktuelles Thema im Auswahlprozess war der Umgang mit KI-generierten Inhalten. Elmar hatte bereits im Vorfeld davor gewarnt, Abstracts vollständig von einer KI schreiben zu lassen. Seine Erfahrung im Review-Prozess bestätigte diese Sorge: Einreichungen, die vage und unpersönlich klangen, wurden bei einer Überprüfung durch spezielle Tools fast immer als KI-generiert identifiziert. Das Problem sei dabei nicht die Technologie an sich - KI kann ein nützliches Werkzeug sein, um etwa Grammatik zu verbessern oder Formulierungen zu schärfen, gerade für Nicht-Muttersprachler. Die Gefahr liegt in der fehlenden Substanz. Ein guter Vortrag lebt von der persönlichen Erfahrung, von den Hürden, die überwunden, und den Lektionen, die gelernt wurden. Genau das kann eine KI nicht liefern. Um die Hürde für oberflächliche Einreichungen zu erhöhen, war bei der EuroStar ein kurzes, 30-sekündiges Pitch-Video Pflicht. Dieses einfache Mittel half dem Komitee, einen authentischen Eindruck von den Sprecher:innen und ihrer Begeisterung für das Thema zu bekommen.

Die Kunst der Keynote-Auswahl: Erfahrung vor Berühmtheit

Bei der Auswahl der Keynote-Speaker verfolgte Elmar eine klare Strategie: Er suchte nach Persönlichkeiten mit einem außergewöhnlichen Werdegang und tiefgreifenden, über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen. Statt auf professionelle Redner setzte er auf authentische Geschichten aus der Praxis. Ein Beispiel ist Wolfgang Platz, der Gründer von Tricentis. Er hat das Testautomatisierungs-Werkzeug Tosca aus einem internen Projekt heraus zu einem weltweit führenden Unternehmen entwickelt und kann wie kaum ein anderer über die Evolution des Testens berichten. Ein weiterer Keynote-Speaker ist Michael Kutz, der innerhalb eines Konzerns in verschiedensten Rollen immer den Fokus auf Softwarequalität legte. Er untersuchte, warum manche Teams erfolgreich sind und andere nicht, und teilt seine Erkenntnisse über die entscheidenden menschlichen und organisatorischen Faktoren. Diese Auswahl unterstreicht den Fokus der Konferenz auf Inhalte, die auf echter, langjähriger Praxiserfahrung beruhen.

Programm-Highlights: Von Windturbinen bis zu Computerspielen

Das fertige Programm spiegelt die Vielfalt der Testing-Welt wider. Elmar freut sich besonders auf den Vortrag von Florian Wartenberg von Vestas, der darüber spricht, wie Felddaten von Windturbinen genutzt werden, um die Qualitätssicherung zu steuern - ein anschauliches Beispiel, bei dem Softwarefehler direkt zu finanziellem Verlust führen. Ein weiteres Highlight für ihn ist der Beitrag von Oliver Hilt über Exploratory Testing für Massively Multiplayer Online Games, eine völlig andere Domäne mit einzigartigen Herausforderungen. Richard hebt die Vorträge zum Thema KI hervor, die mittlerweile über das Hype-Stadium hinaus sind und konkrete Fallstudien präsentieren, wie etwa ein Beitrag über den Einsatz von KI zur Erstellung von User Acceptance Tests bei der BBC. Diese Beispiele zeigen, dass das Programm tiefgehende Einblicke in unterschiedlichste Branchen bietet und das Motto Testing at its best mit Leben füllt.

Praktische Tipps für angehende Konferenzsprecher

Du möchtest deine eigenen Erfahrungen auf einer Konferenzbühne teilen? Elmar und Richard geben dir zum Abschluss noch einige wertvolle Ratschläge mit auf den Weg:

  1. Beginne rechtzeitig: Schreibe dein Abstract nicht auf den letzten Drücker. Je besser du dich mit einem Thema auskennst, desto schwieriger ist es oft, es für Außenstehende verständlich auf den Punkt zu bringen. Nimm dir Zeit dafür.
  2. Hol dir Feedback: Lass dein Abstract von Kolleg:innen gegenlesen. Zögere auch nicht, die Organisatoren oder den Program Chair direkt zu kontaktieren. Eine kurze E-Mail mit der Frage, ob dein Thema grundsätzlich passt, wird meistens gerne und schnell beantwortet.
  3. Erzähle deine Geschichte: Die besten Vorträge basieren auf persönlichen Erfahrungen. Berichte darüber, was du selbst erlebt, gelernt und vielleicht auch falsch gemacht hast. Das macht deinen Beitrag einzigartig und glaubwürdig.
  4. Trau dich einfach: Jeder hat am Anfang Lampenfieber. Nutze einen schwachen Moment, wie Richard es scherzhaft nennt, und schicke deine Einreichung ab. Der erste Schritt ist der schwerste.
  5. Übung macht den Meister: Wenn dein Vortrag angenommen wurde, hast du meist mehrere Monate Zeit zur Vorbereitung. Halte Probevorträge - erst für dich allein, um Timing und Übergänge zu testen, und dann vor einem kleinen Testpublikum, um wertvolles Feedback zu sammeln.

Botcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Ich beschäftige mich beruflich wie privat mit Künstlicher Intelligenz - von konkreten Tools im Arbeitsalltag bis zu den größeren Fragen, die dabei aufkommen. Viele der Themen, die in Podcasts besprochen werden, begegnen mir in Projekten immer wieder. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ordne sie aus der Praxis ein.

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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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Shownotes

In dieser Episode spreche ich mit Elmar Jürgens über Konferenzen und wie ein starkes Programm entsteht. Er ist Program Chair der EuroSTAR in Oslo. Wir schauen unter die Haube: 527 Einreichungen, 50 Slots, Akzeptanzrate unter zehn Prozent. Community Reviewer, drei Bewertungen je Beitrag und ein Pflichtvideo sichern Qualität. Wir reden über KI in Abstracts und warum echte Erfahrung zählt. Das Motto: Testing at its best. Mit Keynotes von Wolfgang Platz und Michael Kutz.