Hinter den Kulissen der ISTQB-Boards mit Andrea Kränzlein

Wie ein Kinderspielzeug Tester-Meetings unter Kontrolle bringt - Andrea Kränzlein

Wie ein Kinderspielzeug Tester-Meetings unter Kontrolle bringt - Andrea Kränzlein

8. September 2026 · Software Testing & Qualität - Testautomatisierung, KI & Agilität

Andrea Kränzlein gibt Einblicke in die Arbeit der ISTQB Testing Boards. Sie managed das Backoffice für Deutschland, Österreich und die Schweiz und verrät, wie ein Kinderspielzeug dabei hilft, Meetings unter Kontrolle zu bringen. In dieser Episode des Podcasts Software Testing & Qualität spricht Host Richard Seidl mit einer Expertin, die bewusst keine Testerin ist. Andrea Kränzlein organisiert seit 20 Jahren die ehrenamtliche Arbeit des German Testing Boards und seit über einem Jahrzehnt auch die des Austrian und Swiss Testing Boards. Ihr Blick von außen auf die Community der Tester ist ebenso erfrischend wie aufschlussreich. Die Folge beleuchtet die unsichtbare Arbeit hinter den Kulissen einer der weltweit wichtigsten Zertifizierungsinstanzen für Softwaretester, die Herausforderungen der Zusammenarbeit mit Freiwilligen und die liebevoll-karikierten kulturellen Unterschiede, die die deutschsprachige Testing-Welt prägen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein seltener Blick hinter die Kulissen: Andrea Kränzlein ist als Leiterin des Backoffice die organisatorische Schaltzentrale der drei deutschsprachigen ISTQB-Vertretungen. Sie koordiniert alles von Akkreditierungen über Finanzen bis hin zur Organisation internationaler Treffen.
  • Die Arbeit mit Ehrenamtlichen: Die Board-Mitglieder engagieren sich in ihrer Freizeit neben anspruchsvollen Vollzeitjobs. Andrea betont den enormen Respekt, den diese Hingabe verdient, und wie wichtig es ist, ihnen ein unterstützendes und wertschätzendes Umfeld zu bieten.
  • Die unerwartete Macht der Kuhdose: Um ausufernde Redebeiträge in Meetings zu bändigen, führte Andrea eine simple Kuhdose als Timeboxing-Instrument ein. Das Kinderspielzeug wurde zum Kultobjekt und ist ein humorvolles Symbol dafür, wie man auch in ernsten Runden für Struktur und Leichtigkeit sorgen kann.
  • Kulturelle Eigenheiten im D-A-CH-Raum: Andrea beschreibt die Schweizer als extrem loyal, die Österreicher als vom Wiener Charme geprägt und die Deutschen als sachlich und präzise - eine Eigenschaft, die sie für die Qualitätssicherung als essenziell ansieht.
  • Synergie durch Zentralisierung: Die Entscheidung, dass alle drei deutschsprachigen Boards dasselbe Backoffice nutzen, war ein Meilenstein. Dies schuf erhebliche Synergien, vereinfachte die Prozesse und stärkte die enge und erfolgreiche Zusammenarbeit im D-A-CH-Raum.
  • Ein Wunsch für die Zukunft: Andrea plädiert für eine noch engere Zusammenarbeit der Boards und ermutigt dazu, jüngeren Mitgliedern frühzeitig Verantwortung zu übertragen, auch wenn diese anfangs noch nicht perfekt agieren.

Die stille Schaltzentrale: Was das Backoffice der ISTQB-Boards leistet

Die Testing Boards in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Vereine, deren Mitglieder sich ehrenamtlich engagieren. Da die meisten tagsüber in ihren Hauptberufen beschäftigt sind, braucht es eine zentrale Anlaufstelle, die den Betrieb am Laufen hält. Diese Rolle füllt Andrea mit ihrem Office-Management seit vielen Jahren aus. Sie erklärt, dass bei ihr alle Fäden zusammenlaufen: Anfragen von Trainingsprovidern, die eine Akkreditierung anstreben, ebenso wie die von Endverbrauchern, die sich über Prüfungen informieren möchten. Sie stellt sicher, dass Anfragen an die richtigen Stellen, etwa die Zertifizierungsstellen, weitergeleitet werden, wobei sie stets strikte Neutralität wahrt. Zu ihren Aufgaben gehören auch die Vorbereitung der Buchhaltung, die Erstellung von Wirtschaftsplänen und die komplette Organisation von Meetings - von den regelmäßigen Board-Treffen bis hin zu großen internationalen Veranstaltungen wie der ISTQB General Assembly.

Wie erleben Außenstehende die Tester-Community?

Andrea ist keine Testerin und hatte vor ihrer Tätigkeit für die Boards einen Hintergrund im Marketing, unter anderem für den Quelle-Katalog. Ihr erster Kontakt mit der Testing-Welt war ein Kulturschock. Sie erinnert sich lebhaft an ihr erstes Meeting: Ein Raum voller Menschen, die sich hinter ihren Laptops versteckten, kaum ein Guten Morgen erwiderten und sofort zur Sache kommen wollten. Diese sehr sachliche und fokussierte Art war das genaue Gegenteil der lebendigen und kommunikativen Welt, aus der sie kam. Über die Jahre hat sich jedoch viel gewandelt, und die Zusammenarbeit wurde herzlicher und persönlicher. Dennoch bleibt die Beobachtung, dass Tester oft eine sehr direkte und detailorientierte Herangehensweise pflegen, was für ihre Arbeit im Bereich der Qualitätssicherung entscheidend ist.

Die Kuhdose beendet endlose Diskussionen

Eine der charmantesten Anekdoten aus dem Gespräch dreht sich um ein Problem, das viele Meetings plagt: Einzelne Teilnehmer, die das Rederecht an sich reißen und nicht mehr aufhören. Um hier auf humorvolle Weise für Disziplin zu sorgen, brachte Andrea eine sogenannte Kuhdose mit zu einem Meeting - ein einfaches Kinderspielzeug, das beim Umdrehen muht. Sie schlug vor, die Dose als Zeitgeber zu verwenden: Wer fünf Minuten Redezeit hat, bekommt die Kuhdose, und wenn die Zeit um ist, wird sie umgedreht. Was als simpler Gag begann, entwickelte sich zu einem festen Ritual. Heute, so erzählt Andrea, ist die Anwesenheit der Kuhdose eine Voraussetzung für den Beginn eines Meetings und wird von einem Ehrenmitglied liebevoll verwaltet. Diese kleine Geschichte zeigt, wie mit Kreativität und Humor auch in einem hochprofessionellen Umfeld eine positive und effiziente Meeting-Kultur geschaffen werden kann.

Schweizer Treue, Wiener Charme und deutsche Präzision

Durch die enge Zusammenarbeit mit allen drei deutschsprachigen Boards hat Andrea über die Jahre feine, aber deutliche Mentalitätsunterschiede beobachtet. Die Schweizer beschreibt sie als außerordentlich treu. Es mag lange dauern, bis sie eine Entscheidung treffen, doch wenn sie einmal gefallen ist, stehen sie felsenfest dahinter. Bei den Österreichern spürt man, selbst wenn viele Deutsche im Board aktiv sind, den berühmten Wiener Charme, der eine angenehme und fast schon gemütliche Kaffeehaus-Atmosphäre schafft. Die Deutschen wiederum verkörpern für sie die Sachlichkeit und Präzision. Sie bezeichnet sie liebevoll als Korinthenkacker, betont aber sofort, dass diese Genauigkeit für die Arbeit im Bereich Qualitätssicherung absolut notwendig und positiv ist. Richard und Andrea sind sich einig, dass gerade die Mischung dieser drei Kulturen die Zusammenarbeit im D-A-CH-Raum so konstruktiv und erfolgreich macht.

Engagiere dich: Wie du in den Testing Boards mitwirken kannst

Am Ende des Gesprächs richten Richard und Andrea einen klaren Aufruf an die Community: Die ehrenamtliche Arbeit in den Boards ist das Fundament des ISTQB-Systems, und neue, engagierte Mitglieder sind immer willkommen. Wenn du daran interessiert bist, die Zukunft von Software-Qualitätsstandards mitzugestalten, kannst du dich aktiv einbringen.

  1. Zeige Initiative: Die Boards sind stets auf der Suche nach tatkräftiger Unterstützung und frischen Ideen. Deine Expertise kann bei der Erstellung von Lehrplänen, Prüfungsfragen oder in anderen Arbeitsgruppen einen echten Unterschied machen.
  2. Nimm Kontakt auf: Der einfachste Weg ist, sich direkt an Andrea Kränzlein zu wenden. Sie ist die zentrale Anlaufstelle und leitet dein Interesse an das passende Board - sei es das German, Austrian oder Swiss Testing Board - weiter.
  3. Werde Teil der Gemeinschaft: Nutze die Chance, dich mit anderen Experten zu vernetzen, dein Wissen zu vertiefen und einen Beitrag zur Weiterentwicklung der gesamten Branche zu leisten.

Botcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Ich beschäftige mich beruflich wie privat mit Künstlicher Intelligenz - von konkreten Tools im Arbeitsalltag bis zu den größeren Fragen, die dabei aufkommen. Viele der Themen, die in Podcasts besprochen werden, begegnen mir in Projekten immer wieder. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ordne sie aus der Praxis ein.

Mehr über das Projekt Botcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Botcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts rund um Künstliche Intelligenz. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Wer steckt eigentlich hinter den Testing Boards, wenn die Tester gerade nicht hinschauen? Mit Andrea Kränzlein spreche ich darüber, was es bedeutet, als Backoffice die drei deutschsprachigen ISTQB-Vertretungen am Laufen zu halten, und zwar seit mittlerweile 20 Jahren beim German Testing Board, plus jeweils über einem Jahrzehnt für das Austrian und das Swiss Testing Board. Andrea ist keine Testerin, und gerade das macht ihren Blick auf unsere Community sointeressant. Sie erzählt, wie sie ihr erstes Meeting mit lauter schweigenden Laptopnutzern erlebt hat, was eine Kuhdose mit Timeboxing zu tun hat und wie sich Deutsche, Österreicher und Schweizer in ihrer Boardarbeit liebevoll karikiert unterscheiden. Vielleicht hast Du dann ja Lust, selbst in den Boards mitzuarbeiten :-)