KI-Transformation bei BASF: Breitensport trifft Spitzensport
Wie schafft es ein globaler Chemiekonzern wie BASF mit über 100.000 Mitarbeitenden, die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz nicht nur zu bewältigen, sondern sie gezielt in messbaren Unternehmenswert umzuwandeln? Im AI FIRST Podcast gibt Felix Schlenther gemeinsam mit seinem Gast Markus Posbich, dem globalen Leiter des KI-Programms bei BASF, tiefe Einblicke in eine beeindruckend strukturierte Transformationsstrategie. Markus, der seit 26 Jahren im Unternehmen ist, erklärt, wie BASF mit einem Ansatz, der Breitensport und Spitzensport kombiniert, die gesamte Organisation mobilisiert. Diese Episode ist ein Muss für alle Entscheider:innen und KI-Interessierte, die verstehen wollen, wie man KI-Initiativen in Großunternehmen nicht nur startet, sondern systematisch zum Erfolg führt und skaliert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Zwei-Säulen-Strategie: Der Erfolg von BASF beruht auf der klaren Trennung und gleichzeitigen Verknüpfung von Breitensport und Spitzensport. Während der Breitensport das Ziel hat, alle Mitarbeitenden mit grundlegenden KI-Fähigkeiten auszustatten und Vertrauen aufzubauen, konzentriert sich der Spitzensport auf eine handverlesene Anzahl von hochwirksamen Anwendungsfällen (Value Cases), die direkt auf die Profitabilität einzahlen.
- Führungskräfte als zentrale Multiplikatoren: Führungskräfte sind die wichtigste Zielgruppe im Transformationsprozess. Ihre Aufgabe ist es, eine Beurteilungskompetenz zu entwickeln - also die Fähigkeit, zu erkennen, wo KI ihre spezifischen geschäftlichen Herausforderungen lösen kann. Sie agieren als Nutzer, als Befähiger ihrer Teams und als Eigner der Transformation.
- Skalierung durch Commitment statt Zwang: Ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Skalierung von KI-Lösungen ist ein Opt-in-Voting. Statt zentral zu entscheiden, welche Lösung für alle ausgerollt wird, können die verschiedenen Geschäftsbereiche aktiv zustimmen, einen Value Case zu adoptieren. Dies sichert echtes Commitment und Ownership.
- Strukturierte Anpassung an neue Technologien: Um mit der Dynamik des KI-Marktes Schritt zu halten, kategorisiert BASF KI-Fähigkeiten in vier Rollen: den Analysten (prädiktive KI), den Ersteller (generative KI), den Arbeiter (agentische KI) und die physische KI (Robotik). Dieses Modell hilft dabei, neue Potenziale wie KI-Agenten systematisch zu bewerten und in das Portfolio der Value Cases zu integrieren.
- Transformation vor reiner Optimierung: Der größte Wert entsteht, wenn Prozesse durch KI von Grund auf neu gedacht werden, anstatt nur bestehende Abläufe zu beschleunigen. BASF nutzt den ohnehin bestehenden Transformationsdruck in der Chemieindustrie, um KI von vornherein als integralen Bestandteil der Lösung zu verankern.
Breitensport trifft Spitzensport: Die Zwei-Säulen-Strategie von BASF
Das Herzstück des KI-Programms bei BASF ist eine Analogie aus dem Sport. Markus Posbich erklärt, dass es ohne eine breite Basis an Talenten und Begeisterung keinen Spitzensport geben kann. Übertragen auf die KI-Transformation bedeutet das: Jeder im Unternehmen muss die Chance bekommen, KI zu verstehen und zu nutzen, damit daraus gezielte, wertschöpfende Projekte entstehen können.
Der Breitensport zielt darauf ab, alle Mitarbeitenden zu erreichen. Eine verpflichtende Schulung zu KI-Grundlagen, Ethik und Prompting-Fähigkeiten bildet die Basis. Darauf aufbauend bietet die Daten- und KI-Akademie ein umfangreiches Angebot an vertiefenden und rollenspezifischen Trainings an. Das primäre Ziel ist es, Ängste abzubauen und Vertrauen zu schaffen. Denn nur wer eine Technologie selbst nutzt, versteht ihre Potenziale und Grenzen. Dieser breite Zugang schafft eine Art Autobahn, über die neue KI-Innovationen schnell in die gesamte Organisation gelangen können.
Der Spitzensport hingegen fokussiert sich auf etwa 60 strategisch ausgewählte Value Cases, die einen direkten Beitrag zur Profitabilität leisten sollen - sei es durch Kostensenkungen oder Umsatzsteigerungen. Diese Fälle wurden in einem pragmatischen Prozess identifiziert, der Ideen aus der Belegschaft, Marktanalysen und eine detaillierte Betrachtung von Job-Profilen und Aufgaben kombinierte. Beispiele sind hier Plant GPT, ein Wissensmanagement-Tool für die Anlagensicherheit in der Produktion, oder Fox, ein Assistent für den Finanz- und Controlling-Bereich, der sich von einem reinen Wissens-Bot zu einem Analyse- und Empfehlungssystem weiterentwickelt.
Führungskräfte als entscheidender Hebel der Transformation
Für Markus sind Führungskräfte die mit Abstand wichtigste Zielgruppe. Anstatt KI als delegierbare IT-Aufgabe zu betrachten, müssen sie selbst eine fundierte Beurteilungskompetenz entwickeln. Sie müssen die Schnittmenge zwischen den Fähigkeiten der KI und den Herausforderungen ihres eigenen Geschäftsbereichs erkennen. Um dies zu fördern, hat BASF ein klares Rollenmodell für Führungskräfte definiert:
- Der Nutzer: Jede Führungskraft soll KI aktiv für die eigene Arbeit einsetzen, um deren Wirkung aus erster Hand zu erfahren.
- Der Enabler: Sie müssen ihrem Team den nötigen Freiraum und die Mittel geben, um KI ebenfalls zu nutzen - am besten, indem sie selbst als Vorbild agieren.
- Der Eigner der Transformation: Die höchste Stufe ist erreicht, wenn Führungskräfte KI als integralen Bestandteil ihrer Strategie begreifen, um ihre Geschäftsziele zu erreichen.
Unterstützt werden sie von über 1.000 AI Champions. Diese Multiplikatoren aus allen Unternehmensbereichen erhalten früheren Zugang zu neuen Tools und speziellen Schulungen. Sie fungieren als lokale Ansprechpartner und helfen ihren Kolleg:innen, eigene kleine KI-Lösungen zu bauen, etwa mit No-Code-Werkzeugen, um Job-Beschreibungen oder Presseartikel zu erstellen.
Von der Idee zur Skalierung: Das Geheimnis erfolgreicher Value Cases
Viele Unternehmen scheitern daran, vielversprechende KI-Piloten in die Breite zu tragen. Markus verrät, dass die größte Hürde dabei nicht die Technik, sondern die fehlende strategische Verankerung ist. BASF löst dieses Problem mit einem cleveren Mechanismus: dem Opt-in-Voting. Anstatt einen Value Case zentral für alle auszurollen, wird den einzelnen Geschäftseinheiten die Möglichkeit gegeben, sich aktiv für oder gegen eine Teilnahme zu entscheiden. Wer teilnimmt, signalisiert damit echtes Interesse und übernimmt Verantwortung. Wer ablehnt, muss dies begründen - etwa weil die Relevanz fehlt oder die Voraussetzungen noch nicht geschaffen sind.
Dieser Prozess stellt sicher, dass Ressourcen nur in Projekte fließen, die von den Fachbereichen wirklich gewollt und getragen werden. Die Frage Sollen wir das skalieren? wird so wichtiger als die Frage Wie können wir das skalieren?. Diese Vorgehensweise hat sich bei der unternehmensweiten Implementierung von Assistenten wie Fox im Finanzbereich oder SIA im IT-Support bewährt. Diese Tools werden nicht als isolierte Projekte entwickelt, sondern von Anfang an in Zusammenarbeit mit den Digitalisierungsteams konzipiert, die auch für den späteren skalierbaren Betrieb verantwortlich sind.
Am Ball bleiben: Wie BASF mit der rasanten KI-Entwicklung Schritt hält
Die dritte Säule des Programms widmet sich der Aufgabe, technologisch am Ball zu bleiben und die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehören eine klare Governance, Compliance-Strukturen und eine synergetische Entwicklungsplattform, die verhindert, dass jeder Bereich das Rad neu erfindet. Um neue technologische Wellen wie agentische KI einordnen zu können, nutzt das Team von Markus ein einfaches Modell mit vier Rollen, die KI einnehmen kann:
- Der Analyst: Prädiktive KI, die Muster erkennt und Vorhersagen trifft.
- Der Ersteller & Researcher: Generative KI, die Inhalte erstellt und Wissen zugänglich macht.
- Der Arbeiter: Agentische KI, die Aufgaben autonom ausführt.
- Physische KI: Robotik, die in der physischen Welt agiert.
Dieses Framework hilft dabei, das Portfolio der 60 Value Cases kontinuierlich zu überprüfen und den Fokus dorthin zu verschieben, wo das größte Wertversprechen liegt - aktuell zunehmend in Richtung des Arbeiters, also der agentischen KI. So entwickeln sich bestehende Projekte wie der Finanz-Assistent Fox natürlich weiter: von der reinen Wissensabfrage über die Datenanalyse bis hin zur autonomen Durchführung von Aufgaben.
Praktische Schritte für deine eigene KI-Initiative
Aus den Erfahrungen von Markus bei BASF lassen sich konkrete Empfehlungen für jedes Unternehmen ableiten, das seine KI-Transformation erfolgreich gestalten will:
- Starte mit einer klaren Struktur: Übernimm den dualen Ansatz aus Breitensport und Spitzensport. Schaffe eine breite Basis an KI-Verständnis in der gesamten Organisation und fokussiere dich gleichzeitig auf wenige, aber hochwirksame Projekte, die einen klaren Geschäftswert liefern.
- Setze auf Führungskräfte als Champions: Investiere gezielt in die Schulung deiner Führungsebene. Das Ziel ist nicht, sie zu technischen Experten zu machen, sondern ihnen die Beurteilungskompetenz zu vermitteln, um KI-Potenziale für ihr eigenes Geschäft zu erkennen.
- Sichere dir echtes Commitment: Anstatt Lösungen top-down durchzudrücken, schaffe einen Mechanismus, der den Fachbereichen die Hoheit über die Adoption gibt. Ein Opt-in-Modell stellt sicher, dass nur skalierte wird, was auch wirklich gebraucht und gewollt ist.
- Denke in Prozessen, nicht in Tools: Der größte Hebel liegt in der Neugestaltung von Prozessen. Nutze KI nicht nur, um bestehende Abläufe zu beschleunigen, sondern integriere sie in laufende Transformationsprogramme, um Arbeit von Grund auf neu zu denken.
- Priorisiere Geschwindigkeit über Perfektion: In einem so dynamischen Feld wie der KI ist es entscheidend, schnell loszulegen, zu lernen und sich anzupassen. Das Schlimmste, was du tun kannst, ist, auf den perfekten Plan zu warten.
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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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