KI-Strategie im Bauwesen: So gelingt die unternehmensweite Adoption
Wie transformiert ein führendes europäisches Bauunternehmen mit 13.000 Mitarbeitenden seine Kernprozesse durch künstliche Intelligenz? Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, KI nicht nur als Buzzword zu behandeln, sondern strategisch und wirkungsvoll zu integrieren. Im AI FIRST Podcast gibt Host Felix Schlenther Einblicke in genau diese Praxis. Sein Gast, Florian Gauer, Head of Artificial Intelligence bei Goldbeck, teilt offen, wie sein Unternehmen diese monumentale Aufgabe angeht - nicht mit einer starren Strategie, sondern mit einer flexiblen KI-Ambition. Diese Episode ist ein Muss für Entscheider:innen und KI-Verantwortliche, die nach einer Blaupause für die erfolgreiche KI-Einführung suchen. Florian erklärt, wie Goldbeck eine Kultur des Experimentierens fördert, die Mitarbeiter:innen durch gezielte Programme befähigt und komplexe Anwendungsfälle von der Idee bis zur Skalierung umsetzt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die KI-Ambition als flexibler Nordstern: Statt einer starren Roadmap setzt Goldbeck auf eine KI-Ambition. Dieses strategische Leitbild gibt die Richtung vor - KI zur Stärkung des Geschäftsmodells zu nutzen - lässt aber genug Raum, um auf die rasanten technologischen Entwicklungen agil zu reagieren.
- Zwei Seiten einer Medaille - Breitensport und Spitzensport: Die KI-Strategie fußt auf zwei Säulen. Der Breitensport zielt darauf ab, möglichst viele Mitarbeitende mit einfachen KI-Tools wie Chatbots vertraut zu machen. Der Spitzensport konzentriert sich auf hochspezialisierte, komplexe Anwendungsfälle mit großem Hebel für einzelne Fachbereiche. Beide Bereiche befeuern sich gegenseitig.
- Der Mensch im Mittelpunkt: Goldbeck verfolgt einen humanzentrierten Ansatz. KI wird als Werkzeug verstanden, das den Menschen befähigen und unterstützen, aber nicht ersetzen soll. Die Technologie dient dem Menschen und den Unternehmenswerten, nicht umgekehrt.
- KI-Botschafter als dezentrale Treiber: Ein zentrales Element der Adaptionsstrategie ist das KI-Botschafterprogramm. Ausgewählte Mitarbeitende aus verschiedenen Fachbereichen werden intensiv geschult und entwickeln eigene Prototypen. Anschließend tragen sie ihr Wissen als Multiplikatoren und Ansprechpartner in ihre Teams und treiben die KI-Nutzung von innen heraus voran.
- Pragmatismus schlägt Perfektion: Ob bei der Datenqualität oder der Tool-Auswahl - Goldbeck agiert nach dem Motto einfach mal machen. Statt auf die perfekte Datenlage zu warten, wird ein KI-Projekt oft zum Anlass, die Datenqualität gezielt zu verbessern. Dieser pragmatische Ansatz ermöglicht schnelles Lernen und sichtbare Fortschritte.
Die KI-Ambition: Goldbecks flexibler Nordstern
Florian Gauer, der aus der strategischen Unternehmensentwicklung kommt, erläutert, warum sich Goldbeck bewusst für den Begriff der KI-Ambition entschieden hat. In einem derart schnelllebigen Feld wäre eine klassische Fünf-Jahres-Strategie schnell veraltet. Die Ambition dient als übergeordnetes Leitbild, das die grundlegende Ausrichtung definiert: KI soll als strategische Fähigkeit etabliert werden, um das Kerngeschäftsmodell - Gebäude als Produkte zu verstehen und zu bauen - zu stärken. Dieses Leitbild wurde gemeinsam mit dem Management Board entwickelt und schafft so unternehmensweites Commitment. Die Umsetzung erfolgt in agilen, jährlichen Priorisierungszyklen, die es dem Team ermöglichen, flexibel auf neue Technologien und Chancen zu reagieren.
Breitensport und Spitzensport: Die zweigleisige KI-Strategie
Ein Kernstück der KI-Ambition ist die Unterteilung der Anwendungsfälle in zwei Kategorien. Felix fragt nach der Logik dahinter, und Florian beschreibt sie als zwei Seiten derselben Medaille, die untrennbar miteinander verbunden sind. Der Breitensport umfasst Werkzeuge und Anwendungen, die einer großen Zahl von Mitarbeitenden zugänglich gemacht werden. Ein Beispiel ist der unternehmensinterne, sichere Chatbot, der es allen ermöglicht, erste Erfahrungen zu sammeln, Routineaufgaben zu beschleunigen und die Potenziale von KI im Arbeitsalltag zu entdecken. Diese breite Anwendung schafft Akzeptanz, entmystifiziert die Technologie und fördert eine grundlegende KI-Kompetenz in der gesamten Organisation.
Der Spitzensport hingegen widmet sich komplexen, fachspezifischen Herausforderungen. Hier geht es um die Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen, die tief in die Kernprozesse eingreifen, etwa in der Produktionssteuerung, im Vertrieb oder im Projektmanagement. Diese Projekte haben oft einen größeren, aber auch spezifischeren Impact und erfordern eine engere Zusammenarbeit zwischen dem KI-Team, Fachexpert:innen und der IT. Florian betont, dass der Erfolg in beiden Bereichen entscheidend ist: Ohne die breite Akzeptanz aus dem Breitensport fehlt die Basis für die Identifikation und Umsetzung von Spitzensport-Projekten. Gleichzeitig liefern die sichtbaren Erfolge der Spitzensport-Projekte den besten Beweis für den Mehrwert von KI und motivieren so wiederum die breite Masse.
Motor der Transformation: Wie Goldbeck die KI-Adaption im gesamten Unternehmen vorantreibt
KI-Adaption ist für Florian vor allem ein Change-Management-Thema. Goldbeck hat dafür eine mehrstufige Strategie entwickelt, um die 13.000 Mitarbeitenden auf die Reise mitzunehmen. Den Anfang machte eine große Kick-off-Veranstaltung, um das Thema zu präsentieren und sowohl Enthusiasten als auch Skeptiker abzuholen. Darauf aufbauend wurden drei zentrale Formate etabliert:
- Die KI-Community: In regelmäßigen, offenen Community Calls informiert das KI-Team über neue Entwicklungen, stellt Anwendungsfälle vor und bietet eine Plattform für den Austausch. Die Themen reichen von praktischen Prompting-Tipps bis zu strategischen Diskussionen über technologische Trends. Das Format ist niederschwellig und fördert den kontinuierlichen Dialog.
- Das verpflichtende KI-Basistraining: Um ein einheitliches Grundwissen sicherzustellen, müssen alle Mitarbeitenden ein anderthalbstündiges, auf Goldbeck zugeschnittenes Basistraining absolvieren. Es vermittelt, was KI kann, wo ihre Grenzen liegen und welche konkreten Tools im Unternehmen zur Verfügung stehen.
- Das KI-Botschafterprogramm: Dieses vertiefende Programm ist das Herzstück der dezentralen Wissensvermittlung. Mitarbeitende aus verschiedensten Fachbereichen bringen eigene Ideen für KI-Projekte mit und entwickeln diese in kleinen Teams über mehrere Wochen zu Prototypen. Während des Programms erhalten sie dafür ein festes Zeitbudget. Nach Abschluss agieren sie als zertifizierte KI-Botschafter und sind die ersten Ansprechpartner:innen für Kolleg:innen in ihren Abteilungen. Sie helfen, neue Ideen zu qualifizieren und die KI-Nutzung organisch in der Fläche zu verankern.
Zusätzlich arbeitet das Team an spezifischen Qualifizierungsangeboten für Führungskräfte, um KI noch stärker in den Kernprozessen und der strategischen Planung zu verankern.
Von der Idee zum Impact: Der Weg eines KI-Use-Cases bei Goldbeck
Wie werden aus guten Ideen erfolgreiche KI-Anwendungen? Bei Goldbeck ist dieser Prozess klar strukturiert, aber pragmatisch. Ideen können aus verschiedenen Kanälen kommen: aus den Workshops des KI-Botschafterprogramms, aus gezielten Ideation-Sessions mit Fachbereichen oder direkt von einzelnen Mitarbeitenden. Jede Idee durchläuft einen Qualifizierungsprozess. In einem zentralen Gremium, dem auch die Geschäftsführung angehört, werden die Vorschläge anhand einer klassischen Matrix aus erwartetem Impact und Umsetzungsaufwand priorisiert. Ein wichtiges Kriterium ist dabei auch, eine ausgewogene Verteilung der Projekte über die gesamte Wertschöpfungskette sicherzustellen - von der Planung über die Produktion bis zum Vertrieb und Service.
Ein konkretes Beispiel, das aus dem Botschafterprogramm hervorging, ist eine Lösung zur automatisierten Wareneingangskontrolle von Stahlprofilen. Mithilfe von KI wird frühzeitig erkannt, ob die gelieferten Teile Mängel aufweisen oder von der Bestellung abweichen. Dies verhindert Verzögerungen im Produktionsablauf und sichert die Just-in-Sequence-Logistik zu den Baustellen. Florian hebt hervor, dass auch das Thema Daten pragmatisch gehandhabt wird. Anstatt auf eine perfekt aufgeräumte Datenlandschaft zu warten, wird ein vielversprechender KI-Anwendungsfall oft zum Treiber, um die Datenqualität in einem bestimmten Bereich gezielt zu verbessern. Wenn die Datenbasis für einen Use Case noch nicht ausreicht, wird dieser zurückgestellt und die notwendigen datentechnischen Hausaufgaben werden erledigt.
Blick in die Zukunft: Wie KI die Baubranche neu definiert
Zum Abschluss wagt Florian einen Blick in die Zukunft der Baubranche. Er sieht drei zentrale Entwicklungen, die durch KI maßgeblich geprägt werden. Erstens der Wandel von reinen KI-Assistenten hin zu autonomen Agents, die komplette digitale Prozessketten selbstständig steuern und ausführen können. Zweitens wird KI die Gebäudeplanung revolutionieren. Zwar rechnet er hier nicht mit einem einzigen Quantensprung, aber mit einer schrittweisen Automatisierung von Planungsaufgaben, bei der die Mensch-Maschine-Kollaboration im Vordergrund steht. Drittens wird die Robotik in Kombination mit KI auf den Baustellen eine immer größere Rolle spielen, auch wenn vollautomatisierte Baustellen noch Zukunftsmusik sind. Für Goldbeck, so Florian, ist das Wichtigste, für diese Entwicklungen anschlussfähig zu bleiben - durch die geschaffene Wissensbasis, die agilen Strukturen und den Mut, neue Technologien frühzeitig zu erproben.
Praktische Schritte: Die Goldbeck-Blaupause für den KI-Start
Florians Rat an andere Unternehmen, die am Anfang ihrer KI-Reise stehen, ist klar und direkt: einfach mal machen. Basierend auf seinen Erfahrungen lassen sich daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten, die du als Blaupause für dein eigenes Vorgehen nutzen kannst:
- Formuliere eine Ambition, keine starre Strategie: Schaffe ein inspirierendes und flexibles Leitbild, das die Richtung vorgibt, aber Raum für Anpassungen lässt. Beziehe das Top-Management von Anfang an mit ein, um Commitment zu sichern.
- Starte mit breiter Kommunikation: Organisiere eine Kick-off-Veranstaltung, um das Thema KI zu entmystifizieren, Chancen aufzuzeigen und Ängste abzubauen. Mache deutlich, dass dies eine Reise ist, die das gesamte Unternehmen betrifft.
- Schaffe einen sicheren Experimentierraum: Stelle frühzeitig ein sicheres, unternehmensinternes KI-Tool wie einen Chatbot bereit. So können Mitarbeitende ohne Datenschutzbedenken erste Erfahrungen sammeln und den Nutzen direkt erleben.
- Baue eine Community auf: Etabliere regelmäßige, offene Austauschformate. Zeige dort konkrete Anwendungsbeispiele, teile Erfolge und schaffe eine Plattform, auf der sich Enthusiasten vernetzen und gegenseitig inspirieren können.
- Setze auf dezentrale Champions: Identifiziere und befähige KI-Botschafter in den Fachbereichen. Gib ihnen das Wissen, die Zeit und das Mandat, um KI in ihren eigenen Teams voranzutreiben. Das skaliert die Initiative weitaus effektiver als ein rein zentraler Ansatz.
- Sei pragmatisch und mutig: Warte nicht auf perfekte Bedingungen. Nutze erste Projekte, um zu lernen - auch darüber, wo noch Hausaufgaben bei Daten oder Prozessen zu machen sind. Fördere eine Kultur, in der man auch mal voran scheitern darf, um schneller ans Ziel zu kommen.
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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.
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