KI für alle: Wie Unternehmen Non-Desk-Worker erfolgreich einbinden

“AI for the rest of us” - Wie KI endlich für alle zugänglich wird

“AI for the rest of us” - Wie KI endlich für alle zugänglich wird

6. Februar 2026 · AI FIRST Podcast

Die aktuelle KI-Revolution konzentriert sich stark auf Wissensarbeiter - Entwickler, Marketer, Berater. Doch was ist mit den 80 Prozent der Arbeitskräfte, die nicht am Schreibtisch sitzen? Im AI FIRST Podcast spricht Host Felix Schlenther mit Martin Böhringer, Gründer und CEO des deutschen Tech-Unicorns Staffbase, über eine oft übersehene, aber riesige Chance: KI für den Rest von uns. Staffbase, ursprünglich als Mitarbeiter-App für genau diese Zielgruppe gestartet, steht heute an der Spitze der Bewegung, KI für Pflegekräfte, Logistiker oder Produktionsmitarbeiter nutzbar zu machen. Martin erklärt, warum der wahre Wert von KI nicht im Ersetzen von Arbeitsplätzen, sondern in der gezielten Unterstützung dieser Menschen liegt und wie Unternehmen eine KI-Kultur schaffen, in der jeder zum Gestalter der Zukunft wird.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Augmentation statt Replacement: Für Berufe, die physische Arbeit oder menschliche Interaktion erfordern, liegt das Potenz髏ential von KI nicht darin, Menschen zu ersetzen, sondern sie zu unterstützen. Martin bezeichnet dies als den entscheidenden Unterschied: Während bei Wissensarbeitern eine langfristige Ersetzung denkbar ist, geht es bei Non-Desk-Workern darum, sie durch sofortigen Zugang zu Wissen und Prozessen effektiver zu machen.
  • Die Macht der einfachen Konversation: Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in komplexen Features, sondern in einem einfachen, sprachgesteuerten Zugang. Statt sich durch Menüs zu klicken, können Mitarbeitende ihre Fragen direkt an eine KI stellen - als hätten sie einen erfahrenen Kollegen an ihrer Seite. Dies senkt die Nutzungshürde drastisch.
  • Das Intranet als Goldgrube: Die größte Herausforderung für Unternehmens-KI ist oft die Datenqualität. Staffbase argumentiert, dass das Intranet die ideale Datengrundlage bildet, da es bereits einen kuratierten und redaktionell gepflegten Kern des Unternehmenswissens darstellt - eine saubere und verlässliche Quelle für KI-Anwendungen.
  • Kontrolle ist unverzichtbar: Unternehmen, insbesondere die Kommunikations- und HR-Abteilungen, wollen die Kontrolle über ihre Botschaften behalten. Eine KI muss daher steuerbar sein - in Tonalität, Persönlichkeit und der Art, wie sie Inhalte zusammenfasst. Einheitslösungen der großen Tech-Anbieter scheitern oft an diesem Bedürfnis nach unternehmensspezifischer Anpassung.
  • Personalisierung als Schlüssel zur Verbindung: Ein herausragendes Beispiel ist der KI-generierte, personalisierte Podcast. Statt eines einzigen Podcasts für alle erhält jeder Mitarbeiter eine kurze, auf seine Rolle und Interessen zugeschnittene Audio-Zusammenfassung der wichtigsten Unternehmensnachrichten. Das ist effizient und schafft ein Gefühl der Wertschätzung und Zugehörigkeit.
  • Die interne Transformation ist eine Kulturfrage: Die Einführung von KI ist weniger ein Technologie- als ein Menschenthema. Laut Martin gelingt der Wandel, wenn Mitarbeitende dazu befähigt werden, ihre eigenen Prozesse dezentral neu zu erfinden, anstatt auf zentrale Vorgaben zu warten. Der Manager wird zum Ermöglicher, nicht zum Kontrolleur.

KI für die, die nicht am Schreibtisch sitzen

Die meisten KI-Anwendungen zielen heute auf den klassischen Büroarbeitsplatz ab. Doch Martin Böhringer lenkt den Blick auf die große Mehrheit der Belegschaft: Menschen in der Produktion, im Gesundheitswesen, in der Logistik oder im Einzelhandel. Für diese Frontline-Worker sind Tools wie ChatGPT oder Microsoft Copilot oft ungeeignet. Ihr Arbeitsalltag ist nicht digital, sondern physisch und von direkter Interaktion geprägt. Martin betont, dass es hier nicht um die Automatisierung ganzer Jobs geht - eine KI kann schließlich kein Dach decken oder einen Patienten pflegen. Stattdessen liegt die Chance in der gezielten Augmentation: Wie kann KI diese Menschen in ihrer täglichen Arbeit besser machen?

Unternehmen stehen hier vor großen Herausforderungen: hohe Fluktuation, aufwendige Einarbeitung und die Schwierigkeit, eine einheitliche Unternehmenskultur bis zum letzten Mitarbeiter zu transportieren, der direkten Kundenkontakt hat. KI kann hier ansetzen, indem sie als digitaler Begleiter fungiert. Sie hilft beim Onboarding, beantwortet in Echtzeit Fragen zu Prozessen und sorgt dafür, dass auch ein neuer Mitarbeiter sofort auf das gesammelte Wissen des Unternehmens zugreifen kann. Der Return on Invest, so Martins These, ist hier potenziell höher als bei der Optimierung von Wissensarbeitern im Headquarter.

Vom Wissensabruf zur Handlungsunterstützung: Konkrete Anwendungsfälle

Wie sieht diese Unterstützung im Alltag aus? Martin beschreibt greifbare Szenarien. Ein Paketzusteller findet ein beschädigtes Paket und fragt seine Mitarbeiter-App per Sprache, wie er verfahren soll. Eine Pflegekraft erkundigt sich nach passenden Mahlzeiten für einen Patienten mit speziellen Allergien. In der Vergangenheit bedeutete das, umständlich in einem digitalen Handbuch zu suchen. Heute liefert eine Konversations-KI eine sofortige, klare Antwort in der jeweiligen Landessprache.

Doch es geht über reinen Wissensabruf hinaus. Die KI kann auch Handlungen auslösen. Ein Techniker entdeckt einen Defekt und meldet ihn per Sprachnachricht. Die KI erstellt daraufhin automatisch ein Ticket im entsprechenden System wie ServiceNow. Martin berichtet, dass die Anwendungsfälle der Pilotkunden oft erstaunlich einfach sind: von der Bereitstellung von Bedienungsanleitungen für Busfahrer bis zur Reduzierung von Anrufen bei 24/7-Hotlines, weil Standardfragen direkt von der KI beantwortet werden. Der eigentliche Durchbruch ist nicht die technische Komplexität, sondern die radikale Vereinfachung des Zugangs zu Information und Prozessen.

Daten, Adoption und Kontrolle: Die drei Säulen des Erfolgs

Ein KI-Projekt steht und fällt mit der Qualität seiner Daten. Hier sieht Martin den entscheidenden Vorteil von Plattformen wie Staffbase. Das Intranet ist nicht nur ein Datenspeicher, sondern ein redaktionell kuratierter Wissenskern des Unternehmens. Diese sauberen Daten sind die perfekte Grundlage für verlässliche KI-Antworten. Für externe Anbieter ist der Zugang zu dieser Quelle, kombiniert mit der Herausforderung der Nutzerakzeptanz, eine hohe Hürde.

Die Adoption, also die freiwillige Installation und Nutzung der App auf privaten Smartphones, ist die zweite große Herausforderung. Staffbase löst dies durch eine Mischung aus arbeitsrelevanten Funktionen und sozialen Elementen wie dem Kantinen-Speiseplan oder Beiträgen zu Dienstjubiläen. Diese schaffen einen echten Mehrwert im Alltag und sorgen dafür, dass die App überhaupt erst auf den Geräten der Mitarbeiter landet.

Die dritte und vielleicht wichtigste Säule ist die Kontrolle. Kommunikationsverantwortliche fürchten den Kontrollverlust, wenn eine KI die Botschaft des CEOs eigenmächtig zusammenfasst oder der Unternehmensname falsch ausgesprochen wird. Sie möchten die Persönlichkeit des KI-Assistenten gestalten - soll er formell sein oder auch mal einen Witz machen dürfen? Staffbase bietet genau diese Steuerungsmöglichkeiten und schafft so das nötige Vertrauen, das große Technologieanbieter oft vernachlässigen.

Die interne Transformation: Wie Staffbase selbst zur KI-Company wird

Die Einführung von KI verändert nicht nur das Produkt, sondern das gesamte Unternehmen. Martin beschreibt den Wandel bei Staffbase als eine Reise voller Begeisterung, aber auch als einen Balanceakt. Als Anbieter kritischer Infrastruktur für Großkonzerne muss das Unternehmen Stabilität und Verlässlichkeit gewährleisten, was im Widerspruch zur hohen Geschwindigkeit der KI-Entwicklung steht. Die Lösung liegt in einer Kultur des kontrollierten Risikos: schnell experimentieren, aber nur über der Wasserlinie, ohne das Kerngeschäft zu gefährden.

Für die eigene Belegschaft lautet die Kernbotschaft: KI ist kein Gegner, sondern ein Werkzeug, um zur Weltspitze zu gehören. Martin erzählt die Geschichte vom Hero, der nicht durch KI ersetzt wird, sondern durch einen Menschen, der KI meisterhaft einsetzt. Statt zentraler Vorgaben setzt Staffbase auf dezentrale Innovation. Die Teams erhalten die Werkzeuge und die Freiheit, ihre eigenen Prozesse neu zu denken. Ein faszinierender Nebeneffekt: Manager und Fachexperten beginnen, ihr implizites Wissen in detaillierten Dokumenten für die KI festzuhalten. So skalieren sie nicht nur Prozesse, sondern auch ihre eigene Expertise im gesamten Unternehmen.

Praktische Schritte zur KI-Einführung im Unternehmen

Aus Martins Erfahrungen lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen für Führungskräfte ableiten, die die KI-Transformation in ihrem eigenen Unternehmen vorantreiben wollen:

  1. Erzähle die Heldengeschichte: Kommuniziere KI nicht als Bedrohung, sondern als Chance für jeden Einzelnen, seine Fähigkeiten zu erweitern und in seinem Bereich führend zu werden.
  2. Stelle die Werkzeuge bereit: Gib deinen Teams einfachen Zugang zu grundlegenden KI-Tools und schaffe Freiräume für Experimente. Der größte Lerneffekt entsteht durch Ausprobieren.
  3. Fördere dezentrale Innovation: Vertraue darauf, dass deine Mitarbeiter die Experten für ihre eigenen Arbeitsabläufe sind. Ermächtige sie, diese Prozesse selbst mit KI neu zu gestalten, anstatt auf eine zentrale Strategie zu warten.
  4. Mache Dokumentation zur Skalierung: Motiviere Fachexperten, ihr Wissen systematisch zu verschriftlichen. Diese Kontextdokumente sind der Treibstoff für eine intelligente KI und ein unschätzbarer Wissensspeicher für das gesamte Unternehmen.
  5. Blicke über die Effizienz hinaus: Die größte Herausforderung der Zukunft wird nicht die Technologie sein, sondern die Bewahrung des menschlichen Miteinanders. Denke von Anfang an darüber nach, wie du soziale Interaktion und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit in einer zunehmend KI-gesteuerten Arbeitswelt fördern kannst.

Botcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Ich beschäftige mich beruflich wie privat mit Künstlicher Intelligenz - von konkreten Tools im Arbeitsalltag bis zu den größeren Fragen, die dabei aufkommen. Viele der Themen, die in Podcasts besprochen werden, begegnen mir in Projekten immer wieder. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ordne sie aus der Praxis ein.

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Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

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