KI in Schulen: Verena Pausder über digitale Bildung und Scolaya

Eltern-Initiative statt Fingerpointing: Wie wir KI wirklich in die Schulen bringen | Verena Pausder, Unternehmerin & Vorstandsvorsitzende Startup-Verband

Eltern-Initiative statt Fingerpointing: Wie wir KI wirklich in die Schulen bringen | Verena Pausder, Unternehmerin & Vorstandsvorsitzende Startup-Verband

8. Mai 2026 · AI to the DNA

Wie lässt sich der unaufhaltsame Vormarsch von KI in eine Chance für das Bildungssystem verwandeln, anstatt die Fehler der Social-Media-Ära zu wiederholen? Diese Frage steht im Zentrum des Gesprächs zwischen Christoph Magnussen und seiner langjährigen Wegbegleiterin Verena Pausder im Podcast AI to the DNA. Als Unternehmerin, Tech-Investorin und vierfache Mutter kämpft Verena seit über einem Jahrzehnt für eine zukunftsfähige digitale Bildung. Sie teilt nicht nur ihre persönliche Lernkurve im Umgang mit Technologie und Kindern, sondern stellt auch ihre neue Initiative Scolaya vor - eine Plattform, die Schulen ganz praktisch bei der Einführung von Innovationen unterstützen soll. Es geht um die drängende Frage, wie wir Kinder und Jugendliche zu mündigen Gestaltern statt zu passiven Konsumenten der KI-Welt erziehen und welche Rolle dabei Eltern, Lehrkräfte und die Politik spielen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eltern in der Verantwortung: Die größte Herausforderung für Eltern hat sich von der Förderung digitaler Kreativität hin zum Management der Suchtpotenziale von Social Media verschoben. Verena Pausder plädiert für klare Regeln, wie ein eigenes Smartphone erst ab 14 und Social Media erst ab 16 Jahren, um Kinder zu schützen. Diese Lektion muss auf den Umgang mit KI übertragen werden.
  • Schule neu denken, statt KI verbieten: Anstatt zu versuchen, KI aus dem Klassenzimmer zu verbannen, müssen Aufgaben und Prüfungsformate grundlegend überdacht werden. Der Fokus sollte auf Fähigkeiten wie kritischem Denken, Präsentationstechniken und kollaborativer Problemlösung liegen, die eine KI nur unterstützen, aber nicht ersetzen kann.
  • Scolaya - Von der Idee in die Praxis: Mit ihrer neuen Plattform Scolaya will Verena die Lücke zwischen innovativen Bildungskonzepten und deren Umsetzung schließen. Eine interaktive Karte, Masterclasses und ein KI-Assistent sollen Schulen ein maßgeschneidertes Playbook an die Hand geben, um Projekte erfolgreich zu realisieren.
  • Digitale Souveränität für Europa: Verena betont die Dringlichkeit, eigene europäische KI-Modelle und -Infrastrukturen zu entwickeln. Eine Abhängigkeit von US-Anbietern wie OpenAI oder Google im kritischen Bildungssektor sei ein strategisches Risiko, das Europa nicht eingehen dürfe.
  • Die Zukunft der Lehrkraft ist die des Coaches: Die Rolle von Lehrkräften wird sich fundamental wandeln - weg vom reinen Wissensvermittler hin zum Lernbegleiter und Coach. Ihre Aufgabe wird es sein, Diskussionen anzuleiten, kritisches Denken zu fördern und soziale Kompetenzen zu schulen.
  • Proaktive Regulierung jetzt: Aus den Versäumnissen bei der Regulierung von Social Media muss gelernt werden. Verena fordert schnelle und klare gesetzliche Rahmenbedingungen, um Gefahren wie Deepfakes und Cybermobbing von vornherein einzudämmen, beispielsweise durch eine strikte Altersverifikation.

Vom digitalen Spielplatz zur Social-Media-Falle: Eine elterliche Lernkurve

Verena Pausder zeichnet ein ehrliches Bild ihrer persönlichen Entwicklung als Mutter im digitalen Zeitalter. Mit ihren heute 18 und 16 Jahre alten Söhnen war sie damals stolz darauf, sie früh an kreative digitale Werkzeuge wie die Programmiersprache Scratch oder kleine Roboter heranzuführen. Das Ziel war klar: Gestaltung statt passivem Konsum. Doch mit dem ersten eigenen Smartphone für die älteren Kinder mit zwölf Jahren änderte sich alles. Verena beschreibt die aufkommende Dominanz von Social Media als eine viel größere Herausforderung, die sie damals unterschätzt hatte. Die Algorithmen seien darauf ausgelegt, Kinder so lange wie möglich an den Bildschirm zu fesseln - ein Kampf, den Eltern allein kaum gewinnen können.

Diese Erfahrung führte zu einem radikalen Umdenken. Ihre jüngeren Kinder, 13 und 8 Jahre alt, profitieren nun von dieser Lernkurve. Für sie gelten deutlich strengere Regeln: ein eigenes Smartphone gibt es erst mit 14 Jahren, Social-Media-Zugang nicht vor 16. Verena argumentiert, dass diese Vorsicht notwendig ist, um die Kinder vor den negativen psychologischen und sozialen Effekten zu schützen, ohne sie dabei vom gesellschaftlichen Leben auszuschließen.

KI im Klassenzimmer: Mehr als nur Hausaufgaben per Knopfdruck

Die Integration von KI im schulischen Umfeld steckt in Deutschland, insbesondere an staatlichen Schulen, noch in den Kinderschuhen. Christoph und Verena sind sich einig, dass Verbote und Kontrollversuche zum Scheitern verurteilt sind. Stattdessen sei ein Paradigmenwechsel in der Pädagogik notwendig. Wenn eine KI einen Aufsatz in Sekundenschnelle erstellen kann, muss die Aufgabe anders lauten. Denkbar wären mündliche Präsentationen, die Aufnahme eines Podcasts zu einem Thema oder kollaborative Gruppenprojekte, bei denen die KI als Recherche- und Ideengebungswerkzeug dient, die eigentliche Denkleistung aber bei den Schülerinnen und Schülern bleibt.

Im Hause Pausder wird dieser Ansatz bereits gelebt. Wenn die Kinder Fragen haben, lautet die Antwort oft: Frag Claude. Dabei geht es aber nicht nur um das Ergebnis, sondern um den Prozess. Die Kinder lernen, präzise und durchdachte Prompts zu formulieren - eine Fähigkeit, die weit über das simple Eintippen von Suchbegriffen bei Google hinausgeht und kritisches Denken schult. So wird KI vom Schummel-Werkzeug zum Sparringspartner für den Lernprozess.

Scolaya: Die Brücke von der Idee zur Umsetzung im Schulalltag

Ein wiederkehrendes Problem im deutschen Bildungssystem ist, dass es zwar unzählige großartige Initiativen gibt, diese aber oft nicht den Weg in die Breite finden. Genau hier setzt Verenas neues, gemeinnütziges Projekt Scolaya an. Es soll die Hürden für engagierte Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern abbauen und Innovationen skalierbar machen. Die Plattform basiert auf drei Säulen:

  1. Innovators Map: Eine digitale Landkarte, die bereits erfolgreich erprobte und skalierbare Bildungsinitiativen wie Life Teach Us oder Klasse 0 sichtbar macht.
  2. Hospitation und Masterclasses: Die Möglichkeit, von Schulen zu lernen, die bestimmte Projekte bereits erfolgreich umgesetzt haben - digital oder vor Ort. So wird Wissen effizient geteilt, ohne dass Pioniere von Einzelanfragen überrannt werden.
  3. KI-Assistent: Das Herzstück der Plattform. Ein KI-gestütztes Tool, das für eine spezifische Schule ein individuelles Playbook erstellt. Basierend auf Daten wie Schülerzahl, Standort und finanziellen Mitteln liefert der Assistent eine konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Umsetzung eines gewünschten Projekts.

Verena schwebt sogar eine vierte Säule vor: ein Bildungsfonds, der die Finanzierungslücke schließt, an der viele gute Ideen an Schulen scheitern.

Europas digitale Souveränität: Warum wir eigene KI-Modelle brauchen

Als Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbandes treibt Verena ein zentrales Thema um: die digitale Souveränität Europas. Sie warnt eindringlich davor, sich im Bereich der KI vollständig von US-amerikanischen Unternehmen wie OpenAI, Google oder Anthropic abhängig zu machen. Zwar sei es aktuell pragmatisch, deren Modelle zu nutzen, doch parallel müsse Europa massiv in eigene Grundlagenmodelle und Anwendungen investieren. Als positives Beispiel nennt sie das französische Unternehmen Mistral.

Besonders im Bildungssektor sei diese Unabhängigkeit von entscheidender Bedeutung. Ein Bildungssystem, das tief in die Infrastruktur eines außereuropäischen Konzerns integriert ist, gibt einen Teil seiner Gestaltungsfreiheit und Kontrolle auf. Verena zieht Parallelen zur Verteidigungs- oder Weltraumtechnologie: Wer hier nicht über eigene Fähigkeiten verfügt, sitzt bei wichtigen globalen Entscheidungen nicht mit am Tisch.

Die dunkle Seite der KI: Lehren aus der Vergangenheit ziehen

Die rasante Entwicklung von KI bringt auch erhebliche Gefahren mit sich, insbesondere in Form von Deepfakes und Cybermobbing. Verena verweist auf den Fall der Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes, deren Bild für gefälschte Nacktaufnahmen missbraucht wurde. Solche Vorfälle verdeutlichen eine massive Schutzlücke im Netz. Aus ihrer Sicht hat die Politik bei der Regulierung von Social Media zu langsam und zögerlich gehandelt. Diesen Fehler dürfe man bei KI nicht wiederholen.

Sie fordert konkrete Maßnahmen, allen voran eine wirksame Alterskontrolle für soziale Netzwerke ab 16 Jahren, verknüpft mit einer Verifizierung per Personalausweis. Auch wenn solche Systeme umgangen werden können, sei es wichtig, klare rechtliche und technische Hürden zu schaffen, anstatt vor der Komplexität des Problems zu kapitulieren. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen müsse oberste Priorität haben.

Praktische Schritte für Eltern, Lehrkräfte und Engagierte

Wie kannst du selbst aktiv werden? Das Gespräch liefert konkrete Ansatzpunkte, um den Wandel mitzugestalten.

  1. Für Eltern:
    • Engagiere dich: Nutze Elternabende, um für eine konstruktive Auseinandersetzung mit digitalen Werkzeugen zu werben, anstatt in pauschale Ablehnung zu verfallen.
    • Werde zum KI-Coach: Setze dich mit deinen Kindern zusammen und nutzt Tools wie Claude oder ChatGPT gemeinsam. Zeige ihnen, wie man gute Fragen stellt (promptet), um die KI als kreativen Lernpartner zu nutzen, statt nur als Antwortmaschine.
    • Setze klare Grenzen: Definiere verbindliche Regeln für die Smartphone- und Social-Media-Nutzung. Verenas Modell lautet: Smartphone ab 14, Social Media ab 16. Sei konsequent und erkläre die Hintergründe.
  2. Für Lehrkräfte und Schulen:
    • Nutze bestehende Ressourcen: Plattformen wie Fobizz bieten bereits Weiterbildungen und Tools zur KI-gestützten Erstellung von Unterrichtsmaterialien. Marktplätze wie Eduki erleichtern den Austausch.
    • Passe Prüfungen an: Entwickle Aufgabenformate, die auf kritisches Denken, Kreativität und Präsentationsfähigkeiten abzielen. Lass Schülerinnen und Schüler Projekte erarbeiten, bei denen KI ein erlaubtes Werkzeug ist.
    • Hole dir Unterstützung: Nutze Scolaya, um bewährte Bildungskonzepte zu finden und eine maßgeschneiderte Anleitung für die Implementierung an deiner Schule zu erhalten.
  3. Ein persönlicher Produktivitätstipp:

    Verena Pausder nennt die App Whisper Flow als ihren persönlichen Game-Changer im Alltag. Die auf dem Whisper-Modell von OpenAI basierende Anwendung transkribiert gesprochene Sprache extrem präzise in Text. Für Menschen, die wie sie viel unterwegs sind, ist es ein mächtiges Werkzeug, um E-Mails, Nachrichten oder Notizen schnell und effizient per Diktat zu verfassen, ohne anschließend viel Zeit mit Korrekturen zu verlieren.


Botcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Ich beschäftige mich beruflich wie privat mit Künstlicher Intelligenz - von konkreten Tools im Arbeitsalltag bis zu den größeren Fragen, die dabei aufkommen. Viele der Themen, die in Podcasts besprochen werden, begegnen mir in Projekten immer wieder. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ordne sie aus der Praxis ein.

Mehr über das Projekt Botcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Botcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts rund um Künstliche Intelligenz. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Wie bringst du KI in die Schulen, wenn selbst iPads am Elternabend für Aufruhr sorgen? Warum googeln Schüler:innen auf ChatGPT genauso wie früher auf Google und was muss passieren, damit aus Tooltourist:innen echte Anwendungsweltmeister:innen werden? Und was können wir von China lernen, wo Rentner:innen zu Hundertschaften in KI-Kurse strömen?

Zu diesen und weiteren Fragen spreche ich in dieser Episode von „AI to the DNA", dem Podcast für alle, die Künstliche Intelligenz wirklich verstehen und anwenden wollen, mit Verena Pausder. Verena ist Unternehmerin, Investorin und Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands. Sie kämpft seit über einem Jahrzehnt für digitale Bildung in Deutschland – als Vorständin von Digitale Bildung für Alle e.V., als Bestseller-Autorin von „Das Neue Land" und als Mutter von vier Kindern, die sie mitten im digitalen Wandel großzieht.

Diesen Podcast gibt es auch als Video-Podcast auf meinem YouTube Kanal.

Wir sprechen darüber, wie sich digitale Erziehung in den letzten zehn Jahren verändert hat – von Scratch und kleinen Robotern bis hin zu der Frage „Frag Claude und dann reden wir". Verena erzählt offen, warum sie bei ihren beiden Jüngeren heute ganz andere Regeln aufstellt als damals bei den Älteren und warum Social Media ab 16 für sie keine Frage mehr ist.

Außerdem stellt Verena ihr neues Projekt Scolaia vor, eine Plattform mit Innovators Map, Hospitationsmöglichkeiten und einem KI-Assistenten, der Schulen ein individuelles Playbook für die Umsetzung von Bildungsinitiativen liefert. Wir diskutieren, warum Initiativen wie Klasse 0, Life Teach Us und fobizz zeigen, dass wir längst nicht so hilflos sind, wie es sich manchmal anfühlt.

Darüber hinaus reden wir über europäische KI-Souveränität, warum die Lehrkraft der Zukunft eher Coach als Wissensvermittler sein wird, was Deepfakes und Apps wie Clothe Off für den Jugendschutz bedeuten und warum Whisper Flow die erste KI-App ist, bei der Verena das Gefühl hat, sich ein bisschen zu klonen.

Hier bei AI to the DNA will ich, Christoph Magnussen, tiefer in die Materie KI eintauchen. Mich interessiert nicht nur, wie man KI nutzt, sondern warum sie so funktioniert, wie sie funktioniert. Mit AI to the DNA gewinnt ihr Einblicke in die Natur der Künstlichen Intelligenz und erfahrt, wie sie Teil eurer DNA wird. So werdet ihr von neugierigen Tool-Tourist:innen zu echten AI-Anwendungsweltmeister:innen.

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  • (00:00) - Intro
  • (01:31) - Von Scratch bis Claude: Wie sich digitale Erziehung in zehn Jahren verändert hat
  • (05:23) - KI im Familienalltag: „Frag Claude und dann reden wir"
  • (08:51) - Schulen und KI: Verteufeln oder Aufgabenstellung ändern?
  • (10:21) - Eltern-Initiative statt Fingerpointing: Wie Eltern Veränderung anstoßen
  • (13:15) - Life Teach Us, Klasse 0 und Wir für Schule: Initiativen, die wirklich skalieren
  • (18:30) - Scolaia: Innovators Map, Hospitation und der KI-Assistent für deine Schule
  • (28:16) - fobizz, Eduki, Anton, KnowUnity: Tools, die Lehrkräfte und Schüler:innen wirklich nutzen
  • (33:00) - Study-Features, OpenAI-Dilemma und der Schwenk zu Anthropic
  • (35:14) - Made in Europe: Warum KI-Souveränität bei der Bildung anfängt
  • (39:54) - 1,2 Milliarden Tokens: Wenn Coding-Durchbrüche auf Bildungsrealität treffen
  • (43:32) - Googeln auf AI: Warum wir in der Anwendung noch bei 0.1 stehen
  • (46:29) - Alpha School, AI-Schulen und die Lehrkraft als Lerncoach
  • (50:23) - Lernen als Luxus? Andrej Karpathy, Europa und das Gegenmodell
  • (53:40) - Early Days: Warum 2025 das neue 2001 ist und die Verantwortung der Early Adopter
  • (57:25) - Social Media ab 16: Australien, Alkohol-Vergleich und Nachjustieren
  • (58:56) - Agents, Chatgruppen-Regeln und digitale Erziehung bei vier Kindern
  • (01:03:20) - Whisper Flow: Die eine KI-App, auf die Verena nicht verzichten kann