Agentic AI: Uwe Peter von Cisco über Deutschlands zweite Chance

Deutschlands zweite Chance: Warum Agentic AI aufholt, was die Digitalisierung verpasst hat | Uwe Peter, Cisco Deutschland

Deutschlands zweite Chance: Warum Agentic AI aufholt, was die Digitalisierung verpasst hat | Uwe Peter, Cisco Deutschland

27. März 2026 · AI to the DNA

Wie kann Deutschland nach Jahren der zögerlichen Digitalisierung zur führenden KI-Nation aufsteigen? Im Podcast AI to the DNA spricht Host Christoph Magnussen mit Uwe Peter, dem Deutschland-Chef von Cisco, über eine oft übersehene, aber entscheidende Wahrheit: Die wahre KI-Revolution für Unternehmen findet nicht in Chatbots statt, sondern in der Fähigkeit der KI, selbst Code zu schreiben. In einem tiefgehenden Gespräch, aufgezeichnet auf der Cisco Live in Amsterdam, entfalten die beiden, warum Hoffnung keine Strategie ist und wie deutsche Unternehmen, insbesondere der Mittelstand, die gewaltigen Chancen der Agentic AI nutzen können. Diese Folge ist ein Muss für alle Entscheider:innen, die verstehen wollen, wie die technologische Grundlage von KI aussieht und welche strategischen Weichenstellungen jetzt notwendig sind, um nicht nur aufzuholen, sondern die Führung zu übernehmen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Deutschlands zweite Chance: Uwe Peter argumentiert, dass KI die einmalige Gelegenheit für Deutschland ist, Versäumnisse in der Digitalisierung wettzumachen. Die starke industrielle Basis, der Datenschatz aus der Produktion und die dezentrale Rechenzentrums-Infrastruktur sind ideale Voraussetzungen.
  • Der wahre ChatGPT-Moment für Unternehmen: Die Fähigkeit von KI-Systemen wie OpenAI Codex, eigenständig Software zu programmieren, ist der eigentliche Wendepunkt für die Geschäftswelt. Sie ermöglicht es, analoges Expertenwissen direkt in digitale Lösungen zu übersetzen und beschleunigt die Entwicklung radikal.
  • Sicherheit durch kleine Modelle und intelligente Netze: Für industrielle Anwendungen sind nicht riesige Allzweck-LLMs, sondern kleinere, auf spezifische Daten trainierte Modelle der Schlüssel. Sie liefern zuverlässige, deterministische Ergebnisse und minimieren das Risiko von Halluzinationen. Die Sicherheit muss dabei direkt in die Netzwerkinfrastruktur integriert werden.
  • Bildung als größter Engpass: Der entscheidende limitierende Faktor für Deutschlands KI-Erfolg ist laut Uwe nicht die Technologie oder das Kapital, sondern die Verfügbarkeit von Fachkräften. KI-Kompetenz muss von der Schule bis zur Erwachsenenbildung zur Priorität werden.
  • Die öffentliche Verwaltung als idealer Anwendungsfall: Mit ihren strukturierten Daten (Gesetze, Verordnungen), klaren Prozessen und definierten Ergebnissen ist die öffentliche Hand prädestiniert für den Einsatz von KI-Agenten, um Effizienz und Geschwindigkeit drastisch zu steigern.
  • Die Zukunft liegt in der Vernetzung von Agenten: Die nächste Stufe der Evolution sind miteinander kommunizierende KI-Agenten. Dies erfordert neue Protokolle und einen intelligenten KI-Routing-Layer, der Anfragen je nach Anforderung an das beste und kostengünstigste Modell weiterleitet.

Deutschlands zweite Chance: Vom Digitalisierungs-Nachzügler zum KI-Vorreiter

Uwe Peter bezeichnet die aktuelle Entwicklung als die größte technische Revolution der letzten 150 Jahre. Er ist überzeugt, dass Deutschland eine einzigartige zweite Chance erhält. Während das Land bei der klassischen Digitalisierung oft zögerlich war, bietet die sogenannte Agentic AI - also KI, die eigenständig Aufgaben ausführt - die Möglichkeit, Versäumnisse nicht nur aufzuholen, sondern eine Führungsrolle zu übernehmen. Die Grundlage dafür ist bereits vorhanden: eine starke industrielle Basis mit einem riesigen Schatz an wertvollen, realen Daten aus Produktion und Logistik. Hinzu kommt eine der weltweit dichtesten Infrastrukturen an Rechenzentren. Diese dezentralen, kleineren Rechenzentren sind, so Uwe, ideal positioniert, um KI-Anwendungen nah am Ort des Geschehens - also direkt in den Fabriken - zu betreiben.

Der ChatGPT-Moment für Unternehmen: Wenn KI Code schreibt

Der Hype um ChatGPT hat zwar die breite Öffentlichkeit für KI sensibilisiert, doch der wahre Wendepunkt für die Wirtschaft liegt laut Uwe woanders. Er nennt ihn den Codex-Moment, benannt nach dem KI-Modell von OpenAI, das auf das Schreiben von Software spezialisiert ist. Hier entfaltet sich das revolutionäre Potenzial: KI schreibt selbst den Code, der benötigt wird, um analoges Fachwissen - sei es im Motorenbau oder in der Logistik - in digitale Anwendungen zu gießen. Dies verändert die Rolle des Menschen fundamental. Uwe vergleicht es mit der Erfahrung seines Neffen, der während seiner Diplomarbeit nicht mehr Zeile für Zeile programmierte, sondern zum Manager von KI-Tools wurde, die ihm die Codierung abnahmen. Cisco selbst nutzt diesen Ansatz bereits massiv und plant, noch in diesem Jahr die ersten Produkte auf den Markt zu bringen, deren Code zu 100 Prozent von KI geschrieben wurde. Menschen übernehmen dabei nur noch die Qualitätskontrolle.

Sicherheit und Kontrolle in der Ära autonomer Agenten

Eine der größten Sorgen von Unternehmen beim Einsatz von KI ist der Kontrollverlust und die Unberechenbarkeit, oft als Halluzinieren bezeichnet. Uwe erklärt, dass dieses Problem vor allem bei großen, universellen Sprachmodellen (LLMs) auftritt, die mit dem gesamten Internet trainiert wurden. Für spezifische industrielle Anwendungen sei der Ansatz jedoch ein anderer. Hier setzt man auf kleinere, spezialisierte Modelle, die nur mit einem eng begrenzten, relevanten Datensatz trainiert werden. Das Ergebnis sind deterministische, also vorhersagbare und zuverlässige, KI-Systeme, die in Echtzeit einen Roboterarm steuern können, ohne zu halluzinieren. Die Sicherheit spielt dabei eine zentrale Rolle. Da KI-Agenten rund um die Uhr miteinander kommunizieren, reicht eine simple Firewall am Rande des Netzwerks nicht mehr aus. Stattdessen, so Uwe, muss die Sicherheit tief in das Netzwerk selbst infusioniert werden, um die Kommunikation zwischen den Agenten direkt zu überwachen und abzusichern. Ein Experiment bei Cisco zeigte, wie leicht aktuelle LLMs durch einfache Tricks (Prompt Injection) ausgetrickst werden können - mit einer Erfolgsquote von 100 Prozent. Dies unterstreicht die Notwendigkeit robuster, integrierter Sicherheitslösungen.

Infrastruktur als Herzstück: Vom Silizium-Chip zum KI-Routing

Christoph zeigt sich im Gespräch beeindruckt von der tiefen Verwurzelung von Cisco in der Hardware-Entwicklung, bis hin zu eigenen, programmierbaren Silizium-Chips. Uwe betont, dass diese physische Infrastruktur das Fundament für die KI-Revolution ist. Die schiere Menge an Datenverkehr, die durch KI-Agenten entsteht, erfordert eine massive Steigerung der Netzwerkkapazitäten. Ein von Cisco entwickelter Chip, kleiner als eine halbe Tafel Schokolade, kann bereits den halben Internetverkehr Deutschlands bewältigen. Doch die Zukunft geht noch einen Schritt weiter. Uwe beschreibt eine faszinierende neue Kategorie von Start-ups, die an einem KI-Routing arbeiten. Dabei handelt es sich um eine intelligente Zwischenschicht, die eine KI-Anfrage analysiert und sie automatisch an dasjenige Modell weiterleitet, das für diese spezifische Aufgabe die beste Qualität zum günstigsten Preis liefert. Dies schafft einen Wettbewerb zwischen den Modellen und verhindert die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter - ein entscheidender Faktor für die deutsche Wirtschaft.

Die entscheidende Rolle von Bildung und Open Source

Auf die Frage nach dem größten Risiko für die Souveränität Deutschlands antwortet Uwe ohne zu zögern: Bildung. Weder die Abhängigkeit von Chips aus Taiwan noch von seltenen Erden aus China sei so kritisch wie der Mangel an Menschen, die Technologie lieben, verstehen und gestalten wollen. Es sei dringend notwendig, IT und KI zu einem zentralen Schulfach zu machen, um den Wohlstand von morgen zu sichern. Für Unternehmen bedeutet das, kontinuierliche Weiterbildung zur Priorität zu machen. Bei Cisco hat beispielsweise jeder Mitarbeiter einen halben Tag pro Monat für Schulungen reserviert. Gleichzeitig plädiert Uwe für die strategische Bedeutung von Open-Source-Modellen. Insbesondere für einen zukünftigen persönlichen KI-Assistenten, der das gesamte Wissen eines Lebens enthält, sei es undenkbar, von einem einzigen kommerziellen Anbieter abhängig zu sein. Open Source bietet hier einen Weg zu mehr Kontrolle und Souveränität, sowohl für den Einzelnen als auch für den Staat und die Wirtschaft.

Praktische Schritte für den Mittelstand

Wie kannst du als Unternehmer:in oder Entscheider:in nun konkret starten? Uwe Peter leitet aus dem Gespräch mehrere handlungsorientierte Empfehlungen ab:

  1. Mache KI zur Chefsache: Verstehe KI nicht als IT-Trend, sondern als eine fundamentale strategische Welle, die deine gesamte Unternehmensstrategie beeinflussen wird. Der Leitsatz Hoffnung ist keine Strategie bedeutet, jetzt aktiv zu planen und zu handeln.
  2. Identifiziere deinen Codex-Moment: Suche nicht nur nach Anwendungsfällen für Chatbots. Finde heraus, wo die Automatisierung der Software-Erstellung oder die Digitalisierung von Expertenwissen den größten Hebel für dein Geschäft hat. Hier liegt der transformative Wert.
  3. Investiere in Menschen, nicht nur in Tools: Die größte Hürde ist der Fachkräftemangel. Schaffe gezielte Lernangebote und gib deinen Mitarbeitenden die Zeit und die Werkzeuge, um KI-Kompetenzen aufzubauen. Ermögliche es deinen Fachexpert:innen, direkt mit KI-Tools zu arbeiten.
  4. Setze auf spezialisierte Modelle: Beginne mit kleineren Projekten, bei denen du KI-Modelle auf deinen eigenen, qualitativ hochwertigen Daten trainierst. So erzielst du zuverlässige Ergebnisse für konkrete Probleme und baust schrittweise Vertrauen in die Technologie auf.
  5. Nutze ein starkes Partnernetzwerk: Kein Unternehmen muss diese Reise allein antreten. Greife auf das Know-how von spezialisierten Partnern zurück, die dich bei der Implementierung der Infrastruktur, der Anwendungsentwicklung und vor allem der Sicherheit unterstützen können.

Botcaster
Zusammengefasst von Anja Schirwinski

Ich beschäftige mich beruflich wie privat mit Künstlicher Intelligenz - von konkreten Tools im Arbeitsalltag bis zu den größeren Fragen, die dabei aufkommen. Viele der Themen, die in Podcasts besprochen werden, begegnen mir in Projekten immer wieder. Deshalb fasse ich hier die für mich interessantesten Podcastfolgen zusammen und ordne sie aus der Praxis ein.

Mehr über das Projekt Botcaster

Hinweis: Diese Zusammenfassung wurde mit Hilfe von KI aus dem Transkript der Podcast-Episode generiert.

Alle Inhalte auf Botcaster beruhen auf öffentlich zugänglichen Podcasts rund um Künstliche Intelligenz. Wir fassen die Episoden nach bestem Wissen zusammen, übernehmen jedoch keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Inhalte. Die Rechte an den Original-Podcasts und -Inhalten liegen ausschließlich bei den jeweiligen Urheber:innen.

Shownotes

Was passiert, wenn ein Unternehmen seine KI-Abwehr komplett von KI schreiben lässt – und in fünf Versuchen fünf Mal die eigenen Modelle aushebelt? Warum ist Codex der ChatGPT-Moment, auf den die deutsche Wirtschaft gewartet hat? Und wieso könnte ausgerechnet die öffentliche Verwaltung der Bereich sein, in dem Agentic AI am schnellsten echten Impact liefert?

Zu diesen und weiteren Fragen spreche ich in dieser Episode von „AI to the DNA", dem Podcast für alle, die Künstliche Intelligenz wirklich verstehen und anwenden wollen, mit Uwe Peter. Uwe ist General Manager von Cisco Deutschland, verantwortet seit 2019 das gesamte Deutschlandgeschäft und hat in Braunschweig noch selbst Roboter programmiert – Zeile für Zeile, mit Notknopf auf der Brust.

Diesen Podcast gibt es auch als Video-Podcast auf meinem YouTube Kanal.

Wir sprechen darüber, warum Cisco dieses Jahr die ersten sechs Produkte auf den Markt bringt, die zu 100 % von KI geschrieben wurden, wie 30.000 Mitarbeitende täglich mit Codex und Claude Code arbeiten und warum das für den deutschen Mittelstand der entscheidende Weckruf sein sollte.

Außerdem diskutieren wir, warum Small Language Models mit begrenztem Kontext das Halluzinierungsproblem für die Industrie lösen, weshalb Deutschland mit über 1.800 Rechenzentren und seiner Industriedatenbasis besser aufgestellt ist, als viele denken – und was das „Car Valley" Baden-Württemberg mit einem Stanford-Studenten zu tun hat.

Darüber hinaus reden wir über die Rolle von Open Source für persönliche und staatliche Souveränität, warum IT längst Grundschulfach sein müsste und was Uwe als „Privatbildungsminister" als Erstes ändern würde. Und wir fragen: Wenn Agenten 24/7 miteinander kommunizieren – wer sichert eigentlich das Netz dazwischen?

Hier bei AI to the DNA will ich, Christoph Magnussen, tiefer in die Materie KI eintauchen. Mich interessiert nicht nur, wie man KI nutzt, sondern warum sie so funktioniert, wie sie funktioniert. Mit AI to the DNA gewinnt ihr Einblicke in die Natur der Künstlichen Intelligenz und erfahrt, wie sie Teil eurer DNA wird. So werdet ihr von neugierigen Tool-Tourist:innen zu echten AI-Anwendungsweltmeister:innen.

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  • (00:00) - Intro
  • (01:25) - Warum KI keine halbherzige Diskussion verdient
  • (03:36) - Deutschlands Digitalisierungslücke und der ChatGPT-Moment für Unternehmen
  • (06:56) - Von Coding Agents bis Pilotkunde: Ciscos Weg zu 100% KI-geschriebenen Produkten
  • (09:35) - Autonomie vs. Kontrolle: AI-only-Firmen und warum Checkpoints okay sind
  • (12:18) - Hardware-DNA, Small Language Models und warum die Industrie nicht halluziniert
  • (16:20) - Der erste Schritt zum AI-Native-Mittelständler: Bildung als Souveränitätsrisiko
  • (19:13) - IT als Grundschulfach: Uwes Vision als „Bildungsminister"
  • (22:46) - 5 Versuche, 5 Treffer: Wie Cisco die eigenen Modelle ausgehebelt hat
  • (24:04) - Die öffentliche Hand als ChatGPT-Moment für Agentic AI
  • (32:58) - EU AI Act, Militär und Medizin: Wenn Regulierung nicht mehr mitkommt
  • (34:15) - Tokenverbrauch, Kosten und warum Open Source bei KI unverzichtbar wird
  • (38:12) - Ciscos Gründungs-DNA: Vom Katzen-Füttern zum Internet-Protokoll
  • (40:34) - MCP, Sprungfunktionen und die Grenzen neuer Agent-Protokolle
  • (44:23) - Infused Security: Warum das Netz zwischen den Agenten entscheidet
  • (47:01) - Partnernetz und Fläche: Wie der Mittelstand an KI-Know-how kommt
  • (49:08) - Startups, Intel-Inside-Angst und warum KI-Routing die Zukunft ist
  • (52:39) - Der KI-Layer über dem Internet: Sprungfunktionen und industrielle Software
  • (55:51) - Vom Roboterarm mit Notknopf: Code, Verantwortung und physische Gefahr
  • (58:36) - Jeder wird Programmierer: Domain-Experten, Low-Code und ein Karrieretipp
  • (01:01:53) - Blindspots auf dem Weg zu AI-Native: Energie, Daten und das „Car Valley"